Pferdephysiotherapie und Hundephysiotherapie

 

Während die Physiotherapie im Humanbereich in der griechisch-römischen Geschichte und in der Geschichte von China und Indien über Jahrhunderte nachvollziehbar ist, so ist die Physiotherapie im Pferdesport ( Leistungssport oder Freizeitsport ) und im Hundesport oder vor allem beim Freizeitpartner Hund in Deutschland noch sehr jung. In Skandinavien, England, Frankreich, den Niederlanden und in Amerika ist sie Behandlungsstandard in der Prävention, Rehabilitation und im Leistungssport.

 

Auch in Deutschland etabliert sich die Tierphysiotherapie im Pferdesport und im Hundesport immer mehr.

 

Physiotherapie ist häufig eine mögliche Alternative zur medikamentösen und operativen Therapie oder eine sinnvolle Ergänzung.

 

 

Mitarbeit und Verständnis des Tierbesitzers, Trainers, Reiters oder Pflegers sind für den Erfolg der Therapie von großer Bedeutung.

 

Die Pferdephysiotherapie und Hundephysiotherapie kann die Erfahrungswerte und empirisch bewiesenen Behandlungstechniken der Humanphysiotherapie nutzen.

 

 

Die Behandlung orientiert sich an den individuellen Beschwerden und den Funktions- bzw. Aktivitätseinschränkungen des Tieres, die in einem Befund festgehalten werden.

 

Wichtig für diesen Befund sind Gespräche mit dem Besitzer und bzw. oder Reiter, Trainer, Pfleger zur sogenannten Anamneseaufnahme. Durch einen Sichtbefund, eine Bewegungsanalyse bzw. Ganganalyse (mit und /oder ohne Reiter beim Pferd; mit und ohne Leine beim Hund) und einen Tastbefund verschafft sich der Therapeut ein aktuelles Bild von seinem Patienten.

 

 

In der anschließenden Behandlung werden primär manuelle Fertigkeiten eingesetzt und bei Bedarf durch natürliche physikalische Reize (z. B. thermische Reize wie Wärme und Kälte; elektrische Reize etc.) ergänzt. Zu den manuellen Basistechniken der Physiotherapie zählen: Manualtherapie, Triggerpunkttherapie, klassische Massage, Mobilisationstechniken, Bindegewebsmassage, Facilitationstechniken, Lymphdrainage, Muskeltechniken, Trainingstherapie, Koordinationstraining, Kräftigungen, Dehnungen, Narbenbehandlungen, u.a.

 

Zur Ausübung dieser physiotherapeutischen Grundfertigkeiten ist ein umfassendes Wissen über die Anatomie des Bewegungsapparates, der Physiologie, der Trainingslehre, der Biomechanik und der speziellen Krankheitslehre (Orthopädie, Chirurgie, Traumatologie, Neurologie, Innere Medizin, etc.), und der physiotherapeutischen Befund- und Behandlungstechniken nötig.

 

 

Abgeleitet von „physio“ = natürlich und Therapie = Heilbehandlung bedeutet Physiotherapie: Behandlung gestörter natürlicher / physiologischer Funktionen.

 

Die Selbstheilungskräfte des Körpers werden aktiviert, natürliche und physiologische Reaktionen des Organismus werden hervorgerufen und eine koordinierte Muskelaktivität wird gefördert.

 

 

Ziel einer physiotherapeutischen Behandlung ist die Erhaltung, Förderung oder Wiederherstellung der Gesundheit und der natürlichen Körperfunktionen. Das bedeutet sie dient der Optimierung der Belastbarkeit des Hundes bzw. Pferdes. So kann durch die zielgerichtete Vorbereitung des Bewegungsapparates auf die Belastungen des Alltags bzw. auf sportliche Belastungen, Verletzungen vorgebeugt werden. Außerdem können chronische Überlastungssyndrome vermindert werden. Durch eine optimale Rehabilitation kann das Ziel eines beschwerdefreien Alltags und im Leistungssport ein besserer Wiedereinstieg nach Verletzungen in den Sport erreicht werden.

 

 

Zum Abschluss ein Hinweis: Es gibt im Pferdesport eine Liste gut ausgebildeter Physiotherapeuten für Pferde bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und auch die FEI (Federation equestre international) hat registrierte Therapeuten für Pferde, welche für internationale Turniere zugelassen sind. Dies ist im Bereich der Physiotherapie für Tiere schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, qualifizierte Fachkräfte ans Werk zu lassen. Da es leider keine staatlich geschützte Berufsbezeichnung gibt, kann allerdings leider jeder mit und ohne qualifizierte Ausbildung drauflos „therapieren“. Jeder Besitzer sollte daher sich gut über die Ausbildung des jeweiligen Therapeuten informieren, um sein Tier in guten Händen zu wissen.

 

Caren Seel